Wie Brüssel ein „Kinderrecht“ auf queeres Leben propagiert

Am 4. Juni fand im Europäischen Parlament in Brüssel eine Veranstaltung statt, die fassungslos macht. Eingeladen hatte der deutsche Europaabgeordnete Lukas Sieper zu einem „High-Level Event in the European Parliament on Children’s LGBTIQ+ Rights“, einer „hochrangigen“ Veranstaltung zu „LGBTIQ-Rechten von Kindern“. Mitveranstalter waren unter anderem die LSBT-Lobbygruppe IGLYO und „Save the Children Europe“. Das Programm trug das Logo „Finanziert von der Europäischen Union“.

Über dem Programm prangte ein Satz, der das Anliegen offenlegte: „Queer rights are children’s rights“ („Queere Rechte sind Kinderrechte“). Das Ziel formulierte die Einladung abstrakt: Man wolle ein Europa schaffen, in dem „jedes Kind es selbst sein kann“. Was sich hinter diesen freundlichen Worten verbarg, zeigte das Programm selbst.

Kinder am Rednerpult

Nach der Eröffnung durch Sieper sprachen Mitglieder der schwedischen Jugendorganisation von „Save the Children“. Der Programmpunkt hieß „Being Young and Queer in Sweden“ („Jung und queer in Schweden“), in dem Minderjährige von ihren Queer-Erfahrungen berichteten. Zuvor stellte die Organisation ihre „Methoden“ für die Arbeit mit „LGBTIQ+-Kindern“ vor, dazu Lehrmaterial mit Titeln wie „Proud to Stand with Every Child“ („Wir stehen stolz hinter jedem Kind“).

Ein weiterer Bericht hieß „Not Too Young to be Myself“, auf Deutsch „Nicht zu jung, um ich selbst zu sein“. Den Abschluss bildete eine Podiumsrunde mit Politikern zu der Frage, wie die EU „LGBTIQ+-Kinder“ „schützen und einbeziehen“ könne. Sieper selbst beschrieb das Anliegen gegenüber der Nachrichtenagentur ANSA beschönigend als „einen konstruktiven Umgang mit der Entwicklung der sexuellen Identität von Minderjährigen“.

Widerstand kam vor allem aus Italien: Der Europaabgeordnete Paolo Inselvini von der Regierungspartei „Fratelli d’Italia“ (Fraktion EKR) richtete ein Protestschreiben an Parlamentspräsidentin Roberta Metsola und forderte sie auf, die Ausrichtung in den Räumen des Parlaments zu überdenken. Zugleich brachte er eine parlamentarische Anfrage zur Finanzierung an die EU-Kommission ein. Die Lebensschutzorganisation Pro Vita & Famiglia rief Metsola öffentlich auf, dem Treffen die Türen zu verschließen, und sprach von Kindern, die als Versuchskaninchen benutzt würden. Auch über Italien hinaus regte sich Widerspruch: Im Veranstaltungssaal saß als Beobachterin die spanische Vox-Abgeordnete Margarita de la Pisa Carrión, die für ihre Familien- und Kinderschutz-Positionen bekannt ist.

Schutz sieht anders aus

Das Programm berief sich ausdrücklich auf die UN-Kinderrechtskonvention. Diese verlangt jedoch etwas ganz anderes: Sie verpflichtet die Staaten, Kinder vor Vereinnahmung zu bewahren und ihr Wohl an die erste Stelle zu setzen. Eine Veranstaltung, die Minderjährige als Zeugen für eine politische Forderung auf die Bühne des Parlaments holt und ihre „sexuelle Identität“ zum Gegenstand eines Podiums macht, leistet das Gegenteil. Mit Schutz hat das nichts zu tun. Kinder wurden hier zum Spielball handfester ideologischer und finanzieller Interessen.

Teil einer größeren Agenda

Diese Veranstaltung fügte sich in eine größere Agenda ein: Im Oktober 2025 stellte die EU-Kommission ihre neue LGBTIQ-Gleichstellungsstrategie 2026 bis 2030 vor, und Verbände wie IGLYO fordern seither ausdrücklich, Kinder und Jugendliche stärker einzubeziehen. IGLYO, dem auch das deutsche Jugendnetzwerk Lambda angehört, verlangt unter anderem Gesetze zur geschlechtlichen Selbstbestimmung, schärfere Gesetze gegen „Hassrede“ sowie – und das ist für die Gesundheit der Kinder extrem gefährlich – einen leichteren Zugang zu medizinischen Maßnahmen der Geschlechtsangleichung. Das bedeutet Pubertätsblocker, Hormongaben und Geschlechtsoperationen, oft mit lebenslangen gravierenden Folgen. Das Treffen am 4. Juni lieferte dazu die jungen Stimmen.

Gastgeber Lukas Sieper sitzt für die linksliberale Kleinpartei „Partei des Fortschritts“ im Europäischen Parlament und ist Vizepräsident der LGBTIQ-Intergruppe. Im Mai 2025 lud er anlässlich des „Internationalen Tages gegen Homo- und Transphobie“ zu einer Veranstaltung ins Parlament, auf der er verlangte, die EU solle LSBT-kritische Mitgliedstaaten mit Vertragsverletzungsverfahren und finanziellem Druck auf Linie bringen.

Ein großes Fragezeichen wirft die Finanzierung der jetzigen Veranstaltung auf: Sieper erklärte, zusätzliche Mittel seien für das Treffen nicht bewilligt worden, beworben habe er es daher aus seinem Abgeordnetenbudget, das natürlich ebenfalls aus Steuergeld stammt. Die italienische Nachrichtenagentur adnkronos berichtete dagegen, finanziert worden sei es über das EU-Programm „Citizens, Equality, Rights and Values“ (CERV). Sicher ist nur: Öffentliches Geld floss, und Parlamentspräsidentin Metsola ließ das Treffen trotz der Proteste in den Räumen des Parlaments zu.