Mitten in Kassel hat am 11. April das zehnte Symposium von DemoFürAlle stattgefunden. Das diesjährige Thema „Kentler · Kinder · Kirche: ‚Sexuelle Bildung‘ in kirchlichen Schulen und Kitas“ war vorgegeben durch erschütternde Vorfälle in Kitas und Schulen, die bundesweit für Entsetzen sorgen.
Bereits in unserer Doku „Tatort Kita: Der woke Angriff auf unsere Kinder“ identifizieren wir die verbreitete „sexuelle Bildung“ als Grundlage für sexualpädagogische Grenzverletzungen und Brandbeschleuniger für Übergriffe unter Kindern in Kitas. Kinder werden mit einer schamverletzenden Sexualpädagogik indoktriniert, die ideologisch auf den Missbrauchstäter Helmut Kentler zurückzuführen ist.
Dieses Skandal-Thema, mit dem wir auf YouTube bereits über 200.000 Menschen erreicht haben, sollte nun in Kassel eine gründliche Vertiefung erfahren. Die Hintergründe der strukturellen Sexualisierung von Kita- und Schulkindern wurden in sieben Vorträgen aus unterschiedlichen humanwissenschaftlichen, pädagogischen und theologischen Perspektiven aufgerollt. Kaum fassbar ist die teils naive teils treibende Rolle, die ausgerechnet kirchliche Akteure bei diesem Angriff auf Kinderseelen spielen. Daher lag unser Fokus auf Bildungseinrichtungen kirchlicher Träger und auf der Verbindung kirchlicher Bildungspläne zur Sexualpädagogik von Helmut Kentler.
Gottes Plan für Ehe und Familie
Weihbischof em. Dr. Marian Eleganti aus der Schweiz führte mit seinem Vortrag „Als Mann und Frau schuf er sie: Die Lehre der Kirche zu Ehe, Familie und Sexualität“ das christliche Menschenbild auf eine sehr nahbare Weise vor Augen. Seine humorvollen und auch emotionalen Reflexionen zu Mann und Frau, zu ihrer Sexualität und der daraus entstehenden exklusiven Verbindung und Fruchtbarkeit skizzierten ein Ideal ohne zu idealisieren. Dabei wurde deutlich: In den existenziellen Fragen gibt es ein natürliches Gespür für richtig und falsch.
Die Lehre der katholischen Kirche sei gerade nicht fanatisch, oder fundamentalistisch, betonte Eleganti. Sondern parallel zur Offenbarung sei sie auch ein kohärenter Denkansatz, der sich ausgehend vom Leib mit der natürlichen Vernunft begründen ließe. Der Plan Gottes für Ehe und Familie sei seinem Wesen nach menschenfreundlich und schütze im Besonderen die Würde der Frau und des Kindes. Der weit angereiste Weihbischof schuf mit seiner Würdigung der Theologie des Leibes von Johannes Paul II. die Grundlage für die weiteren Beiträge und den Maßstab für die Bildungsinhalte und Pädagogik in kirchlichen Einrichtungen.
Prävention als Einfallstor
So trat nun die Diskrepanz zwischen dem Soll- und Ist-Zustand in der kirchlichen Bildungspraxis mit jedem Beispiel, das anschließend Susanne Hartfiel dem Publikum präsentierte, immer deutlicher zutage. Die Sozialwissenschaftlerin und Sozialpädagogin hatte für ihren Vortrag „Übergriffige Sexualpädagogik und Missbrauchsprävention in kirchlichen Einrichtungen“ ausführlich recherchiert. Hartfiel konnte zeigen, wie die Lehre Kentlers zahlreiche katholischen Bildungsinstitutionen durchzieht und somit auch die katholischen Dorf-Kitas erreicht. Unter evangelischer Trägerschaft sei es nicht anders. „Was für ein unfassbarer Sumpf“, lautete eine Rückmeldung aus dem Publikum.
Tatsächlich zog Hartfiel das bestürzende Fazit, dass die Kirche in ihrer sexualpädagogischen Programmatik ihre christlichen Positionen weitestgehend abgeräumt und der Sexualpädagogik von Kentler und seinem Nachfolger Uwe Sielert Platz gemacht habe. Man folge der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und Sielerts Institut für Sexualpädagogik (isp). Diese säkularen Einflüsse, unter denen sich auch Autoren mit pädokriminellen Absichten befinden, hätten dafür gesorgt, dass Prävention immer auch „sexuelle Bildung“ enthalten müsse, stellte Hartfiel fest. Unter dem Lable Prävention könne nun alles Mögliche laufen. Eltern würden bei Fragen der Sexualerziehung immer weiter an den Rand gedrängt, während ihnen weisgemacht werde, dass es sich bei den Konzepten der Kentler-Sielert-Schule um allgemeingültige Positionen der Human- und Sexualwissenschaften handle.
Bei der Infiltrierung der katholischen Kirche mit der „sexuellen Bildung“ spiele der Religionspädagoge Holger Dörnemann eine zentrale Rolle. Letztlich seien aber innerkirchliche Prozesse für diese Entwicklung verantwortlich:
Wenn Regenbogenfahnen an Kirchendächern hängen oder über den Altären liegen und Kirchen das als Zeichen von Toleranz ansehen, dann ist das im allerbesten Fall naiv. – Susanne Hartfiel
Der Weg zu einer Liebe, die wirklich hält
Bei aller Zurückweisung der Kentler-Sielert-Schule mag sich die Frage aufdrängen, ob die katholische Lehre von der Liebe zwischen Mann und Frau vielleicht doch etwas aus der Zeit gefallen sei. Dieser Frage widmete sich die katholische Theologin und Publizistin Dr. Margarete Strauss mit ihrem Vortrag „Echte Liebe wartet? Christliche Sexualmoral auf dem Prüfstand“. Ihr Beitrag war mit Spannung erwartet worden, denn wer kennt nicht solche ablehnenden Thesen: Der Mensch sei gar nicht für Monogamie und lebenslange Treue veranlagt. Vielmehr unterdrücke die katholische Sexualmoral die Lust, was Schuldgefühle erzeuge und krank mache. Und überhaupt sei die traditionelle Ehe nur ein patriarchales Konstrukt. Solche Aussagen wollen erst einmal eingeordnet und widerlegt sein.
Wie Strauss zeigen konnte, sprechen nicht nur theologische Gründe für die ursprüngliche Lehre der Kirche. Auch anthropologische und sozialwissenschaftliche Belege wiesen klar darauf hin, dass Sexualität innerhalb einer auf Dauer angelegten Paarbeziehung dem Wunsch vieler Menschen nach einer stabilen und glücklichen Beziehung dienlich sei. Was bereits Weihbischof Eleganti betonte, griff auch Strauss wieder auf: In der kirchlichen Lehre offenbare sich eine tiefe Einsicht in die Natur des Menschen. Sie werte nicht die Lust ab sondern stelle sie in eine Ordnung.
Sie nimmt die Verwundbarkeit und Fragilität der menschlichen Sexualität ernst – aber sie bleibt nicht bei dieser Diagnose stehen. Sie verkündet den Menschen als erlöst, als fähig zur Gnade, als berufen zu einer Liebe, die wirklich hält. – Margarete Strauss
Deutungshoheit der Kentler-Sielert-Schule
Dr. Martin Voigt, Publizist und Team-Mitglied bei DemoFürAlle, skizzierte in seinem Vortrag „Kentlers Erben. Die Verbreitung einer übergriffigen Sexualerziehung“ zunächst den Weg, wie aus Kentlers emanzipatorischer Sexualpädagogik ein Erfolg auf ganzer Linie wurde, so dass heute jedes Kind in seinem Sinne „sexuell gebildet“ wird.
Doch die Grundthese der Kentler-Sielert-Schule, dass Kinder von Geburt an sexuelle Wesen seien und eine interaktive Sexualerziehung für ihre gesunde Entwicklung bräuchten, entbehre wissenschaftlicher Belege, wie Voigt nachweisen konnte. Pädophil kompromittierte pädagogische Meinungen und veraltete psychoanalytische Annahmen von Sigmund Freud zur psychosexuellen Entwicklung von Kindern bildeten die Melange, aus der etwa die WHO „wissenschaftliche Standards“ ableiten würde – mit Erfolg. Die WHO gelte auch dank der Deutungshoheit der Kentler-Sielert-Schule als Instanz. Ihre Empfehlungen würden unhinterfragt die Grundlage für alles Sexualpädagogische bilden, von bundesweiten Bildungsplänen bis hin zu den einzelnen Kita-Schutzkonzepten.
Die WHO sagt, Pädagogen sollen mit kleinen Kindern über Masturbation und körperliche Nähe sprechen, um sie zum Beispiel dazu zu befähigen, zwischen angenehmen und unangenehmen Gefühlen unterscheiden zu können. Das ist keine Wissenschaft, das ist ein pädophiler Traum! – Martin Voigt
In Bezug auf seine bei DemoFürAlle erschienene Artikel-Reihe „Kentlers Erben“ stellte Voigt drei Sexualpädagogen näher vor, die heute wesentlich dazu beitragen, Kentlers Missbrauchspädagogik in die Schulen und Kitas zu bringen. Voigt, der auch in der FAZ über Kentler geschrieben hat, schloss mit dem Fazit, dass die schamverletzende, emanzipatorische Sexualpädagogik, die die körperliche Sinneserfahrung zur Prämisse erhebe, ein Angriff auf die Würde des Menschen sei.
Forschungsbasierte Prävention als Gegenentwurf
Im Anschluss an die vier jeweils etwa einstündigen Hauptvorträge folgten drei Kurzvorträge. Zunächst konnte der Kinder- und Jugendpsychotherapeut Roman Göbeke unterhaltsam darlegen, dass die seriöse, medizinisch-empirische Entwicklungspsychologie um die zentrale These der Kentler-Sielert-Schule, Kinder seien von Geburt an „sexuelle Wesen“, einen weiten Bogen macht. Mit einem Schwenk in die Ideologie-Geschichte machte Göbeke zudem deutlich, dass hinter der Sexualisierungs-Agenda eine gegen Familien gerichtete destruktive Absicht stehe.
Alle Kritik muss konstruktiv sein. Und niemand könnte diesen Part gehaltvoller übernehmen als der Theologe und Entwicklungspsychologe Dr. Markus Hoffmann. Der Leiter des Studiengangs „Entwicklungssensible Sexualpädagogik LBI“ an der päpstlichen Hochschule für Theologie und Philosophie Heiligenkreuz entwickelte für kirchliche Einrichtungen mit einem Autorenteam „Empfehlungen für eine zeitgemäße und forschungsbasierte Prävention sexualisierter Gewalt im sexualpädagogischen Kontext“, die er im Rahmen einer Video-Präsentation vorstellte.
Von Null auf Hundert zum Aktivisten
Selten ging ein DemoFürAlle-Symposium mit so viel positivem Schwung zu Ende, wie in diesem Jahr. Grund dafür war die mitreißende Rede eines Vaters aus Hamburg, die mit dem Titel „Eltern wehren sich – Ein Beispiel aus der Praxis“ angekündigt war.
Von Null auf Hundert zum Aktivisten: Das Publikum folgte gebannt den Schilderungen, wie ein ganz normaler Vater beim Besuch der Homepage der katholischen Schule seines Kindes angesichts des dort angekündigten Vorhabens „Sexuelle Bildung“ erst stutzig und schnell immer fassungsloser wird. Da sein Klärungsbedarf vom Schulleiter bis hin zum Träger der Schule, dem Erzbistum Hamburg, und darüber hinaus systematisch abgeblockt wird, tut sich der engagierte Vater mit anderen Eltern zusammen und sie stemmen schließlich ein Elternnetzwerk aus dem Boden, um ihrem Erziehungsrecht Geltung zu verschaffen.
Die Sprecherin von DemoFürAlle Hedwig von Beverfoerde kündigte an, das kräftig wachsende Elternnetzwerk katholischer Schulen, das sich inzwischen auch bundesweit formiert, nach Kräften zu unterstützen. In diesem Sinne lässt sich ein Fazit zum Jubiläums-Symposium ziehen: Die Zeiten der offenen Türen für Kentlers Erben in katholischen Schulen und Kitas neigen sich dem Ende zu.
Hinweis: Das im Aufbau befindliche ‚Elternnetzwerk katholischer Schulen in Deutschland‘ ist aktuell über Instagram erreichbar. Wer darüber hinaus Kontakt per E-Mail sucht, kann sich zunächst an unsere Initiative Elternaktion.de (kontakt@elternaktion.de) wenden. Wir werden dann den Kontakt zum Elternnetzwerk schnellstmöglich vermitteln.
