USA: Wie Kliniken mit Trans-Diagnosen Kasse machen

„Wölfe in weißen Kitteln“ lautet der alarmierende Titel eines aktuellen Berichts des US-Gesundheitsministeriums, den zehn Autoren, u.a. Kinderendokrinologen, Psychiater, Chirurgen und Juristen verfasst haben. Der Bericht untersucht, mit welchen Diagnoseschlüsseln Gender-Kliniken Trans-Behandlungen an Minderjährigen bei Krankenversicherungen eingereicht haben, um sie abrechnen zu können und gibt mehreren jungen Betroffenen sowie ihren Eltern eine Stimme. US-Vizepräsident J. D. Vance stellte den Bericht gemeinsam mit US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy jr. am 13. August vor und leitete ihn noch am selben Tag an das Justizministerium weiter, mit der Bitte, gegen die darin genannten Kliniken und Ärzte strafrechtlich zu ermitteln.

Eine Diagnose, die es nicht geben kann

Die Autoren haben eine landesweite Datenbank mit Abrechnungen von Krankenversicherungen der Jahre 2015 bis 2025 ausgewertet, also jene Rechnungen, die Kliniken und Ärzte an private Versicherer und an die staatlichen Programme Medicaid und Medicare gestellt haben.

Demzufolge berechneten die Kliniken und Ärzte rund elf Millionen Dollar für Pubertätsblocker bei Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren. Als medizinischen Grund gaben sie dafür eine vorzeitige Pubertät bei den Patienten an. Tatsächlich gibt es diese Diagnose, allerdings beschreibt sie eine seltene Störung: Bei manchen Kindern setzt die Geschlechtsreife viel zu früh ein, etwa bei Mädchen vor dem achten und bei Jungen vor dem neunten Lebensjahr. In solchen Fällen bremsen Ärzte die verfrühte Entwicklung mit Pubertätsblockern. Normalerweise werden diese mit zehn oder elf Jahren wieder abgesetzt, sodass die Pubertät ihren normalen Verlauf nehmen kann.

Das bedeutet aber, dass bei 13- bis 17jährigen diese Diagnose nicht gestellt werden kann, weil diese offensichtlich zur rechten Zeit in die Pubertät gekommen sind. Es gibt bei ihnen nichts, was gebremst werden müsste. Die Autoren schließen daraus, dass diese Jugendlichen sich tatsächlich als trans identifizieren und ihnen absichtlich eine falsche Diagnose gestellt wurde, damit die Versicherung diese Behandlung anerkennt und die Kosten für die Pubertätsblocker trägt.

Weitere knapp 50 Millionen Dollar wurden mit der zweiten Diagnose „unspezifische endokrine Störung“ bei Kindern und Jugendlichen zwischen neun und 17 Jahren verdient. Diese Diagnose bedeutet, dass der Arzt eine Störung im Hormonhaushalt des Patienten festgestellt hat, aber noch nicht sagen kann, welche genau. Auch diese Diagnose dient laut dem Bericht dazu, den wahren Anlass der Verschreibung der Pubertätsblocker zu verschleiern. Denn Geschlechtsdysphorie ist keine Hormonstörung. Sie bezeichnet das Leiden am eigenen Körper und wird daher im Diagnoseverzeichnis unter den psychischen Diagnosen geführt. Die Hormonwerte dieser Kinder sind vollkommen normal. Pubertätsblocker und gegengeschlechtliche Hormone würden dafür von der Versicherung nicht bezahlt werden. Steht auf der Rechnung jedoch eine Hormonstörung, wird gezahlt.

Die Autoren bringen es auf den Punkt: Eine Hormonstörung hätten diese Kinder erst dann gehabt, als die Ärzte ihnen eine verschafften. Sie betraten physisch gesund die Klinik, verließen sie aber mit Mitteln, die ihren Hormonhaushalt wirklich durcheinanderbringen. Mit schwerwiegen Folgen.

Der Bericht stützt sich auf die Abrechnungsdaten. Was der Arzt untersucht, gemessen und mit den Eltern besprochen hat, steht jedoch nur in der Krankenakte. Daraus ließe sich dann in jedem Einzelfall nachvollziehen, ob Betrug vorliegt. Genau diese Prüfung soll nun das Justizministerium vornehmen.

Aus gesunden Kindern werden Patienten auf Lebenszeit

Über Jahrzehnte ließ sich mit Kindern nur wenig Geld verdienen. Die Gender-Kliniken änderten dies drastisch. Wer als Jugendlicher Pubertätsblocker erhält, betritt einen Behandlungspfad, den er bis ins hohe Alter nicht mehr verlässt: Alle drei bis sechs Monate Hormonkontrollen, Blutuntersuchungen, Knochendichtemessungen und psychologische Begleitung. Hinzu kommen mögliche Operationen und deren Folgeeingriffe. Jeder dieser Termine ist abrechenbar.

Die Zahlen im Bericht machen das greifbar: Ein Jahr Behandlung mit dem Pubertätsblocker GnRH kostet die Versicherung im Schnitt 16.385 Dollar. Eine Phalloplastik, also der operative Aufbau eines Penis aus körpereigenem Gewebe, schlägt mit durchschnittlich 133.911 Dollar zu Buche. Selbst ohne Operationen summieren sich die Kosten eines einzigen Patienten über sein Leben auf 25.000 bis 75.000 Dollar. Regulär gibt dagegen das amerikanische Gesundheitswesen für ein Kind nur etwa 3.000 Dollar jährlich aus.

Entsprechend wuchs das Angebot. Anfang der 2010er Jahre gab es in den USA nur eine Handvoll spezialisierter Anlaufstellen für Kinder mit Geschlechtsdysphorie. Bis Anfang der 2020er Jahre hatten über 225 Krankenhäuser und Klinikverbünde eigene Programme dafür eingerichtet. Zusammen haben diese den privaten und staatlichen Versicherungen seit 2019 knapp 120 Millionen Dollar für transmedizinische Behandlungen an Minderjährigen in Rechnung gestellt. Darunter waren mehr als 5.500 operative Eingriffe.

Wie ein Verbot unterlaufen wurde

In Texas zum Beispiel gilt seit dem 1. September 2023 ein Verbot transmedizinischer Eingriffe an Minderjährigen. Am 18. Februar 2026 verklagte der texanische Justizminister Ken Paxton das „Children’s Health System of Texas“ in Dallas, da sie nach Inkrafttreten des Verbots mindestens 19 Minderjährigen Pubertätsblocker und gegengeschlechtliche Hormone verordnet und die Kosten Medicaid in Rechnung gestellt habe.

Das Besondere an diesem Fall ist, wie geschickt das Gesetz unterlaufen wurde: Es ist in Texas erlaubt, laufende Trans-Behandlungen langsam auslaufen zu lassen, damit kein Kind abrupt abgesetzt wird. Dieses Schlupfloch nutzten die Ärzte, indem sie die Dosis in derart winzigen Schritten senkte, dass die Wirkung im Körper unverändert blieb, bis die Patienten volljährig waren. Zudem wandten sie die gesetzlichen Ausnahmen „Knochengesundheit“ und „psychische Stabilität“ an, die so weit gefasst waren, dass praktisch niemand jemals wirklich etwas absetzen musste. Auf dem Papier befolgte die Klinik das Gesetz. In Wirklichkeit geschah das Gegenteil.

Außerdem habe die Klinik Jungen, die Östrogen erhalten sollten, in der Patientenakte als weiblich geführt. Dadurch ließ sich das Östrogen-Implantat als Verhütungsimplantat abrechnen, eine Leistung, die Medicaid für Mädchen bezahlt. Auf dem Abrechnungsbeleg erschien somit kein Junge in einer Hormonbehandlung, sondern ein Mädchen, das verhüten will. Der Eingriff fand statt, aber die Spuren in den Unterlagen wurden verwischt.

Die Anleitungen standen offen im Netz

Der Bericht belegt, dass das Vorgehen der Klinik in Dallas kein Einzelfall ist, sondern Methode hatte, die gezielt von Trans-Aktivisten beworben wurde. Zum Beispiel verbreitete die Trans-Organisation „Campaign for Southern Equality“ die Diagnosen, die von Versicherungen problemlos bezahlt werden, u.a. Unterleibsschmerzen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Die Aktivisten bekannten offen, diese Info solle Ärzten und Kliniken zeigen, welche Diagnose sie eintragen müssen, damit die Versicherung die Behandlung bezahlt. Der Trick dabei ist, dass beide genannten alternativen Diagnosen allein auf den Angaben des Patienten beruhen und sich durch keine Messung widerlegen lassen. Nachdem diese offene Anleitung zum Betrug in einer Anhörung im amerikanischen Kongress im April 2025 thematisiert wurde, nahm die Organisation die Seite vom Netz.

Zahlen, die aus dem Rahmen fallen

Dass von diesen Anleitungen Gebrauch gemacht wurde, lässt sich an den Statistiken einzelner Kliniken ablesen: Zum Beispiel erhielt am „Boston Children’s Hospital“ in den Jahren 2017 bis 2019 fast kein elfjähriges Kind diese Diagnose, im Jahr 2022 dagegen waren es schon 50 Elfjährige. Im ganzen Bundesstaat Pennsylvania wurden zwischen 2020 und 2024 über 1.900 Abrechnungen mit dieser Diagnose für Kinder zwischen zehn und 13 Jahren und über 1.000 für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren erstellt. Für eine normalerweise seltene Krankheit sind dies viel zu hohe Fallzahlen. Insgesamt zahlte der Bundesstaat in diesem Zeitraum rund 76 Millionen Dollar für Pubertätsblocker bei Minderjährigen.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die beteiligten Kliniken ihren eigentlichen Auftrag in vollem Bewusstsein verfehlen. Sie helfen nicht den betroffenen Kindern und Jugendlichen, sondern passen ihre Diagnose dem gewünschten Ergebnis an. Dann steht in der Patientenakte nicht mehr, woran das Kind wirklich leidet und wie man ihm helfen könnte, sondern womit sich am meisten Geld verdienen lässt.

Was passiert jetzt in den USA?

In den USA ist jetzt Bewegung in die Sache gekommen: Ungefähr zeitgleich zur Veröffentlichung des besagten Berichts erließ die Regierung eine Verordnung, wonach es ab dem 13. Oktober keine Bundesmittel für die staatlichen Programme Medicaid und CHIP geben wird, sofern damit Pubertätsblocker, gegengeschlechtliche Hormone oder Trans-Operationen bei Minderjährigen bezahlt werden. Für Kinder, die bereits Hormone erhalten, gilt eine Übergangsfrist von sechs Monaten. Ein Verbot transmedizinischer Behandlungen spricht diese Verordnung zwar nicht aus, schränkt aber immerhin die staatliche Finanzierung ein.

Psychotherapeutische Leistungen bleiben unberührt, ebenso die Behandlung angeborener Störungen der Geschlechtsentwicklung. Der Herausgeber des Berichtes, Brian Christine, sagt: „Das Vereinigte Königreich, Schweden und Finnland setzen wieder auf Psychotherapie und psychologische Unterstützung. Es wird höchste Zeit, dass wir in den Vereinigten Staaten dasselbe tun. Und dabei geht es nicht um Politik. Es geht um Wissenschaft. Es geht um Sicherheit und um Vertrauen. Unsere Mission ist es, dass jedes Kind eine Behandlung bekommt, die evidenzbasiert, ethisch und des öffentlichen Vertrauens würdig ist.“

In Deutschland ist die Frage nach diesem Betrug noch nicht einmal gestellt, aber man sollte es dringend tun: Die inzwischen zurückgetretene Vizepräsidentin einer Landespsychotherapeutenkammer legte Kollegen in einer Online-Fortbildung nahe, bei nichtbinären Patienten die Diagnose „transgeschlechtlich“ einzutragen, weil die Kassen für nichtbinär nichts zahlen. Der Diagnose-Betrug zieht also weite Kreise. Höchste Zeit, auch in Deutschland eine großflächige Untersuchung in Auftrag zu geben.

Hinweis: Das Titelbild wurde mithilfe künstlicher Intelligenz generiert und stellt keine reale Szene dar.

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