Ina-Maria Philipps, Jahrgang 1953, ist Paar- und Sexualtherapeutin und gehört zum engsten Kreis des von Uwe Sielert gegründeten Instituts für Sexualpädagogik (isp). Dort ist sie nicht nur Dozentin, sondern neben Sielert, Karlheinz Valtl und Ulrike Schmauch auch im wissenschaftlichen Beirat. Laut ihrer isp-Kurzbiografie ist sie zudem Ehe- und Lebensberaterin bei der Ev. Beratungsstelle Düsseldorf-Altstadt.
Zu ihren Arbeitsschwerpunkten zählt Philipps unter anderem die „Kindliche Sexualität und Sexualerziehung“ und die „weibliche Sexualität“. Vehement vertritt und verbreitet sie Helmut Kentlers zentrale These, dass Kinder von Geburt an „sexuelle Wesen“ und ihre „frühkindlichen sexuellen Äußerungen ein Ausdruck der Lust“ seien. Philipps bezeichnet Kinder sogar als „pränatal sexuelle Wesen“, die mit allen Sinnen nach „maximaler Lustgewinnung“ streben würden.
Philipps sorgte im Jahr 2007 führ einen bundesweiten Skandal in der Sexualpädagogik. Ein Jahr vor Kentlers Tod und sieben Jahre vor dem Aufruhr um die „Sexualpädagogik der Vielfalt“ nahm die Öffentlichkeit Notiz von ihrer im Jahr 2000 veröffentlichten BZgA-Broschüre „Körper, Liebe, Doktorspiele – Ein Ratgeber für Eltern zur kindlichen Sexualentwicklung“. Es wurde erstmals deutlich, was unter dem Lable „sexualfreundliche Erziehung“ aus dem Institut für Sexualpädagogik (isp) auf Kindergärten und Schulen zukommen sollte – Kentlers pädophile Missbrauchspädagogik in einem neuen Aufguss:
Skandal-Broschüre: Sexualisierung von klein auf
650.000 Exemplare der Broschüre, die die sogenannte „psychosexuelle Entwicklung“ des Kindes von der Geburt bis zum sechsten Lebensjahr darstellt, kursierten jahrelang in pädagogischen Einrichtungen. Die Ratschläge lauteten zum Beispiel: Eltern sollen nicht einschreiten, wenn die Mädchen sich etwas in die Scheide stecken. Oder: „Scheide und vor allem Klitoris erfahren kaum Beachtung durch Benennung und zärtliche Berührungen (weder seitens des Vaters noch der Mutter) und erschweren es damit für das Mädchen, Stolz auf seine Geschlechtlichkeit zu entwickeln.“
Trotz der ein oder anderen Kritik wurde die Broschüre erst 2007 zum Medien-Thema. Die Publizistin Gabriele Kuby warf der Verfasserin und den politisch Verantwortlichen in einem Beitrag in der Jungen Freiheit vor, Kinder vom frühesten Alter an zu sexualisieren. Die Debatte kochte hoch und schließlich fühlte auch der Spiegel Philipps auf den Zahn:
SPIEGEL: An einer Stelle heißt es in dem Ratgeber: „Das Notwendige mit dem Angenehmen zu verbinden, in dem das Kind beim Saubermachen gekitzelt, gestreichelt, liebkost, an den verschiedensten Stellen geküsst wird“. Welche Körperregionen meinen Sie damit?
Philipps: Alle, den ganzen Körper.
SPIEGEL: Das kann doch dann wirklich als Einladung für Pädophile angesehen werden …
Philipps: Das stimmt. Nur wissen wir, dass pädophile Täter alles Mögliche als Argument für ihre Rechtfertigung nutzen. Das ist schauderhaft und natürlich völlig unangemessen. Ich rufe nicht dazu auf, sich ausschließlich um die Genitalien der Kinder zu kümmern, sondern um deren ganzen Körper. Kinder mögen überall Liebkosungen. Und Kinder unterscheiden gar nicht; für die ist die Genitalregion nicht bedeutsamer als die Finger, der Bauch oder die Zehen.
Kinder sind keine „sexuellen Wesen“
Uwe Sielert sprang Philipps im August 2007 mit einer Stellungnahme bei, um ihr akademisches und pädagogisches Wirken zur „kindlichen Sexualität“ in einen vermeintlichen wissenschaftlichen Konsens einzubetten. Wissenschaftler, „die im akademischen Kontext seit längerem zur Sexualität und Sexualpädagogik lehren und forschen“, seien sich einig, was die „psychosexuelle Entwicklung“ von Kindern betrifft. Was Sielert anführt, sind jedoch die sexualpädagogischen Positionen Helmut Kentlers. Das Kind sei ein „Sexualwesen“ von Geburt an, behauptete Kentler und prägte damit eine ganze sexualpädagogische Ausrichtung, der Philipps durch ihre Einlassung zum „pränatal sexuellen Wesen“ noch die Krone aufsetzt.
Bereits die Prämisse, mit der Sielert seiner Kollegin wissenschaftliches Arbeiten attestiert, ist falsch, denn es gibt keine wissenschaftlichen Belege aus der Entwicklungspsychologie für die These von der „kindlichen Sexualität“. Auch Kentler nennt als einzige namhafte Quelle Sigmund Freud, dessen Thesen zur „psychosexuellen Entwicklung“ er aufgegriffen und sie so in sein pädagogisches Konzept integriert hat, dass sie seinen pädosexuellen Motiven entsprachen. Freud wiederum entwickelte seine Thesen nicht nach heutigen wissenschaftlichen Maßstäben. In der Entwicklungspsychologie und der Bindungsforschung gelten Freuds Thesen, die nicht auf valider, empirischer Forschung beruhen, als überholt. Das heißt, Kinder sind keine „sexuellen Wesen“, wie Kentler, Sielert und Philipps behaupten. Das freudianische Vokabular wird lediglich im einschlägigen sexualpädagogischen Diskurs (isp, BZgA und WHO) immer wieder aufgegriffen und verbreitet.
Frühkindliches Verhalten als „sexuell“ beschreiben
Das Anliegen der „sexuellen Bildung“ ist es, frühkindliche Verhaltensmuster als „sexuell“ zu etikettieren. Auch Philipps verbreitet diese Thesen. In ihrem 2012 erschienen Beitrag „Körperfreundlichkeit von Anfang an. Wege zu einem natürlichen Umgang mit kindlicher Sexualität“ (Kita-Magazin klein&groß) fasst Philipps im Kapitel „Kindliche Sexualität“ unterschiedliche kindliche Bedürfnisse als Streben nach Lust zusammen. Mit allen Sinnen sei ein Kind „darauf ausgerichtet, lustvolle Erfahrungen zu machen“:
Diese Suche nach maximaler Lustgewinnung verfolgt es sehr eigensinnig und nachdrücklich, spontan, neugierig und unbefangen. Anders als der Erwachsene ist ein Kind auf der Suche nach Lust nicht etwa auf die Genitalien und auf Orgasmen fixiert. Seine Lustquellen variieren, mal möchte es gehalten oder gestillt, mal gestreichelt oder gekitzelt werden, mal toben oder kämpfen, dann wieder beschmust oder getröstet werden.
Sämtliche Bedürfnisse des Kindes als „sexuelle Bedürfnisse“ zu rahmen, geht an der entwicklungspsychologischen Realität komplett vorbei. Kinder vor der Pubertät haben keine sexuellen Bedürfnisse. Mit der nachgereichten Einschränkung, Erwachsene sollten die „kindlichen Sexualäußerungen“ nicht auf der Folie der eigenen Sexualität interpretieren, widerspricht Philipps sich selbst, wenn sie zum Beispiel das Bedürfnis kleiner Kinder nach Nähe und Hautkontakt mit dem Begriff ‚sexueller Lust‘ beschreibt. Philipps bezieht sich auf Kentler, ohne ihn zu zitieren. „Bereits frühkindliche sexuelle Äußerungen“ seien „ein Ausdruck der Lust“ und sollten nicht unterdrückt werden, schreibt Kentler in „Eltern lernen Sexualerziehung“.
Frühe Sexualpädagogik beeinflusst Erwachsenensexualität
Die unnötige begriffliche Gleichsetzung von erwachsener und „kindlicher Sexualität“ geschieht mit einer gewissen Absicht. Denn im selben Beitrag zeigt Philipps, dass sie mit den entwicklungspsychologischen Grundlagen eigentlich vertraut ist: „Körperliche Nähe ist für das Bindungsbedürfnis gerade der jüngeren Kinder elementar“, weiß Philipps. Und sie weiß auch, dass sogenannte Körpererkundungsspiele, die Übergriffe unter Kindern als Lernsituationen einpreisen, lebenslange Konsequenzen für die Sexualität und Identität der Betroffenen haben können:
Noch bevor das Kind sprechen und im engeren Sinne verstehen kann, speichert es im sogenannten „vorsprachlichen Körpergedächtnis“ Erlebnisse von Körpersensationen und unterschwellige Botschaften ab (etwa über den „besonders dreckigen“ Intimbereich oder den „schönen Po“) – mit erkennbaren Wirkungen für die Erwachsenensexualität.
Folglich sollten Kitas es nicht nur bei genauen Regeln zur Körperhygiene belassen, findet Phillips. Sondern sie sollten sich auch die Frage stellen, „ob liebevoll über die Regionen, die gesäubert oder eingecremt werden, gesprochen werden“ dürfe, oder ob „lieber ganz schnell und wortlos wieder eine Windel angelegt werden“ soll? Weiter fragt Phillipps: „Darf oder soll es eine aktive Förderung von positiven Körpererfahrungen geben, indem das Kind von Kopf bis Fuß gestreichelt wird, oder ist das eine Grenzüberschreitung?“ Wie Erzieher mit dem Dilemma – Grenzen Wahren einerseits, Sexualitätsbejahung andererseits – umgehen sollen, sagt Phillips nicht direkt, doch allein der Titel ihres Beitrags („Körperfreundlichkeit von Anfang an“) entlarft ihre Fragen als suggestiv. Und konkret hält sie fest: „Vieles spricht dafür, dass eine offensive Sexualaufklärung bereits in der Kita unbedingt Bestandteil des Bildungskanons sein sollte.“
Eltern, die ihre Kinder vor Doktorspielen in der Kita oder anderen sexualpädagogischen Praktiken der „sexuellen Bildung“ bewahren wollen, sehen sich häufig mit dem Vorwurf konfrontiert, sie hätten ein überzogenes Schamgefühl, das sie auf ihre Kinder übertragen würden. Ähnliches stellt auch Phillips voran, wenn sie schreibt: „Die Macht, Heftigkeit und Ungezügeltheit, mit der das kleine Kind seine sexuellen Bedürfnisse ausdrückt, können Erwachsenen unangenehm sein.“
Um die unbeschwerte Entfaltung der „kindlichen Sexualität“ nicht durch solche Schamgefühle auszubremsen, solle der Erwachsene „kindliche Sexualäußerungen“ nicht „auf der Folie seiner eigenen Sexualität“ interpretieren, sondern zum Beispiel dem „Doktorspiel“ gelassener gegenüberstehen, empfiehlt Phillips sinngemäß. Dabei verharmlost sie die über „Doktorspiel-Regeln“ proaktiv in die Wege geleitete Spielsituationen, während der sich Kinder gegenseitig „erkunden“ können. Grenzverletzungen, die auch schon bei kleinen Kindern tiefe Spuren hinterlassen können, nimmt Philipps billigend in Kauf:
Erzieherinnen müssen hier aufmerksam sein und immer wieder darauf hinweisen, dass alle an einem Spiel Beteiligten damit einverstanden sein müssen und jederzeit aufhören dürfen, wenn sie sich unwohl fühlen. Übergriffige Kinder müssen deutlich auf ihr Verhalten hingewiesen werden, damit sie nicht lernen, dass nichts passiert, wenn sie Grenzen überschreiten.
Selbst wenn Philipps an dieser Stelle nur Kinder meint, die sich bereits verbal artikulieren können, ist die Annahme, dass Kindergartenkinder selbständig übergriffige Situationen erkennen und beenden können, grob fahrlässig. Die einzige vertretbare Regel muss lauten: Körpererkundung im Genitalbereich ist nicht in Ordnung.
„Das ‚Liebemachen‘ der Erwachsenen nachahmen“
In Sachen „Körper“ und „Sexualität“ sollen Kinder keine „Unterdrückung“ und „Tabuisierung“ erfahren, wiederholt Philipps Kentlers Ansichten. Sondern sie sollen offen wissbegierig sein dürfen, damit später ein „unbekümmerter Umgang mit dem eigenen, erwachsenen Körper und mit dem des Partners“ möglich ist. Konkrete Beispiele, die klar machen würden, ob es vielleicht doch ein „zu viel“ gäbe, dass durch Erwachsene unterbunden werden müsste, nennt Philipps in ihrem Beitrag an dieser Stelle nicht. An anderer Stelle ordnet sie sogar Kinder, die „im Rollenspiel das ‚Liebemachen‘ der Erwachsenen nachahmen“ positiv ein: „Hier drücken sie ihre Bedürfnisse und ihre Neugier im Spiel aus.“
Spätestens hier dürften sich viele Eltern, die im Kita-Magazin blättern, fragen, ob kleine Kinder, die „Liebemachen“ spielen, also den Sexualakt Erwachsener nachahmen, an sich nicht schon auffällig sind. Kentlers Erben, die seine Vision einer emanzipatorischen Sexualerziehung vertreten, sehen das anders. Kentlers tabulose sexuelle Offenheit und gezielte Sexualisierung von kleinen Kindern, die man allenfalls noch aus dem Milieu der Kommune 1 kennt, entspricht dem pädagogischen Programm, für das Philipps und das isp stehen. Genau wie Kentler sagt Philipps sexuellen Tabus den Kampf an. Mit dem ersten Satz in ihrem Kita-Artikel zur „kindlichen Sexualität“ macht sie das bereits deutlich:
Eine bejahende Haltung zur Sexualität gerät schnell in den Verdacht, die natürlichen Grenzen des Kindes zu überschreiten, pädophilen Übergriffen ideologisch Vorschub zu leisten und einer gesunden kindlichen Entwicklung insgesamt eher zu schaden.
Pädophilen Übergriffen wird tatsächlich Vorschub geleistet, und zwar nicht nur ideologisch sondern ganz praktisch. Kinder werden in Kitas proaktiv in Spielsituationen gebracht, in denen sie schrittweise an körperliche „Erkundungen“ und an Grenzverletzungen gewöhnt werden. Doktorspiel-Regeln wirken bei ihnen wie Handlungsaufforderungen. Sie sollen Nein-Sagen lernen, dürfen also auch Ja-Sagen zu angenehmen Berührungen. Die „sexuelle Bildung“ hat echtes Grooming-Potential.
Missbrauchsprävention mit der Sexualpädagogik eines Missbrauchstäters
Philipps hingegen verkehrt diese Zusammenhänge ins Gegenteil und behauptet:
Nach allem, was wir wissen, sind Kinder, die ihre sexuelle Lust und Neugier relativ frei ausleben dürfen, Antworten auf ihre sexuellen Fragen erhalten und damit auch sprachfähig werden, am besten vor Übergriffen und Missbrauch geschützt.
Ganz ähnlich schrieb der pädophile Missbrauchstäter Helmut Kentler Jahrzehnte zuvor in „Eltern lernen Sexualerziehung“ über den Zusammenhang sexueller Lusterfahrungen im Kindesalter und angeblichen präventiven Effekten: „Sexuell befriedigte Kinder (…) sind vor sexueller Verführung und sexuellen Angriffen am besten geschützt.“ Und ebenda: „Das sexuell unerfahrene Kind reagiert auf sexuelle Verlockungen ängstlich, unsicher, aber auch neugierig, und darum verfällt es einem Erwachsenen viel leichter als das sexuell aufgeklärte Kind.“
Weder Philipps noch Kentler können eine wissenschaftliche Studie für ihre grotesken Thesen anbieten. Bei Kentler ist offensichtlich, dass die Intention keine wissenschaftliche, sondern eine pädophile ist: Ein Kind, das sich freiwillig und in Kentlers Sinne aufgeklärt auf Annäherungsversuche einlässt, gilt ihm nicht als missbrauchtes Kind.
Noch im Jahr 2007 wurde übrigens Philipps Skandal-Broschüre „Körper, Liebe, Doktorspiele – Ein Ratgeber für Eltern zur kindlichen Sexualentwicklung“ nach öffentlichem Druck von der damaligen Familienministerin Ursula von der Leyen, die einige Formulierungen als „missverständlich und zweideutig“ einstufte, bei der BZgA aus dem Programm genommen. Diese Konsequenz ist heute nötiger denn je. Vor dem Hintergrund der jüngsten Erkenntnisse zu Helmut Kentler wird es höchste Zeit, die gesamte Kentler-Sielert-Schule, die sogenannte „sexuelle Bildung“, aus den Bildungsprogrammen für Kitas und Schulen zu entfernen.
Hinweis: Das Titelbild dieses Beitrags wurde mithilfe künstlicher Intelligenz generiert und stellt keine reale Szene dar.
